Mittwoch, 13. Februar 2008

Ma kurz dies

Die Zusammenfassungen fallen mir schwerer. Das Leben ist natürlich noch immer faszinierend und es ist schade, dass ich nicht mit alle Eindrücke auf Bildern oder Videos einfangen kann. Gestern abend, leider also an einem Montag, wurden wir von einer Inderin nach Hause eingeladen, gleich in der Nähe meines Büros in Alwarpet, Abhiramapuram, nahe der Police Station. Dort angekommen fanden sich auch zwei Freunde von uns ein, die Gastgeberin war noch nicht da, dafür aber ein riesiger schwarz-weißer Hund, bei derem Anblick Ansgar nicht nur zum Spaß, sondern sehr wohl mit gutem Grund fragte, ob das eine Kuh oder ein Hund sei. Das Vieh freute sich jedenfalls Freunde zum Spielen zu gefunden zu haben und rannte einem nach dem anderen von uns um. Kein Wunder bei glatten 75 Kilogramm. Nun denn, als die Gastgeberin ankam stellte sich heraus, dass das ihre Kuh war, sie wurde brav weggeschlossen, weil dem ein oder anderen Gast diese Kuh nicht heilig und auch nicht geheuer war, es ging in den ersten Stock des Hauses, in einen Raum bei dem zwei Seitenwände rein aus Glas bestanden, eine große Bar die eine Seite zierte, elegante Hocker, jede Menge Sitz- und Liegesofas, die Decke ein Stück heruntergelassen, in den Einlassungen Deckenstrahler in vier verschiedenen Farben die 15minütig wechseln, ein Kellner stand auch bereit hinter der Bar, der uns mit Black- oder Blue-Label und dann doch lieber mit Bier und Chips versorgte. Durch eine weiteres breites Fenster konnte man aus der Bar galant in Madames Schlafzimmer blicken, hinter einer anderen Wand zeigte sich eine schöne hölzern verzierte Treppe, die in den zweiten Stock führte. Etwa 15 Leute saßen endlich beisammen, aßen, rauchten, tranken, hörten Musik, feierten in einen Geburtstag hinein. Auf der Rückfahrt im eigenen Auto fragte Ansgar, ob sich ich da etwas auf der Straße sehen würde, ich antwortete, ob er den Typ, der halb in dem Müllcontainer steckte und darin wühlte meine, und ja, da trafen sich zumindest Frage und Antwort. Ich könnt jetzt wieder die Geschichte über die extremen Gegensätze in Indien ausgraben, aber zu diesem Thema braucht man nicht einmal ein derartiges Beispiel. Dafür reicht es aus, sich in einer westlich eingerichteten, sauberen Wohnung zu befinden, aus der Wohnungstür herauszutreten, den armen freundlichen etwa 70jährigen Watchman zu grüßen, sich das Ehepaar in seinem kaum besuchten Minisupermarkt gegenüber unserer Wohnung anzusehen und die Straße herunter die Sonntagversammlung dreier knochig dürre Watchmen zu betrachten, die um ein Radio herum auf dem Boden sitzen und der Berichterstattung von Cricket-Spielen gespannt folgt. Den Bügelmann mit seinem Ministand auf Fahrradreifen und mit dem Steinkohlebügeleisen darf man natürlich nicht vergessen. An der Hauptstraße angekommen stehen auf der gegenüberliegenden Straßenseite einige Rikshaws, die Fahrer sitzen daneben und reden, reden und reden. Stehende Rikshaws sind teurer als fahrende, daher ignoriere ich diese mittlerweile und sie mich eben auch. Links am Straßenrand ist ein kleiner Tabakstand, der aber auch diverse frittierte Teigprodukte verkauft, die Ansgar sogar ohne gesundheitliche Beschwerden schon einmal gegessen hat. Daneben ein ähnlich aussehender Stand, ebenso auf Fahrradrädern, der putzt und repariert darin Schuhe. Man kann diesen Weg mit etlichen Unterbrechungen auf dem Gehweg laufen. Gehwege sind aber wegen des Monsun recht hoch und bei jeder Einfahrt ist es dann so, als müsst man erst zwei Treppenstufen abwärts und dann wieder aufwärts steigen. Dazu kommt, dass viele Straßen noch überhaupt keine Gehwege haben. So zum Beispiel in unserer Straße. Da kam dann aber diese Woche eine Gruppe Inder mit ihren Frauen und haben schon einmal einen kleinen Graben ausgehoben, da werden dann wohl demnächst Steine raufgesetzt werden. Die Art und Weise, wie hier gebaut wird, ist auf jeden Fall interessant. Man kann das gut von unserem vergitterten Balkon aus sehen. Gestern früh sah uns dann auch eine Frau von unten, einen Korb auf ihrem Kopf tragend und darin ein riesiger Fisch. Immer wieder auf den Fisch zeigend, wollte sie uns das Ding scheinbar verkaufen und es ist wohl auch absolut üblich, dass Fräulein mit reinkommt, das Ding ausnimmt und dann kocht oder frittiert. Vielleicht braucht man das nicht unbedingt zum Frühstück, aber wie lang braucht man sonst, bis eine Frau das endlich für einen macht? Und dann noch frischen Fisch?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Du hast dich sehr verändert machi.
LG Tharsan

MiamiJan hat gesagt…

alter, hast dus gut !!!