Mittwoch, 2. Januar 2008

Tag 0

Erst einmal entschuldige ich mich bei denjengen, die mich zwar noch vor meiner Abreise versucht haben anzurufen, mich aber nicht erreicht haben. Neben dem, was alles zu tun war, haben die Gefühle, also meine Ängste und Sorgen gerne mal überhand genommen. Dann musste ich mir die positiven Dinge, meine Hoffnugen und meine Sehnsucht nach Indien wieder bewusst machen. Das ist manchmal leichter gesagt als getan – jedenfalls bei mir ist das offensichtlich so. Viel verwirrender, dass mich ein Jahr lang das Fernweh nicht losgelassen hat, sicher dadurch verstärkt, dass nicht alles so lief, wie es hätte laufen sollen oder können – und wenn ich mich so umsehe, dann ist es vielleicht auch sehr gut so, wie es gelaufen ist. Kann man mir folgen?

Nun denn. Einige Nächte lag ich in Hamburg noch wach, weil die Gedanken nicht enden wollten. Am Samstag vormittag ging es dann mit der Bahn nach Frankfurt, wo ich einen Freund von früher aus Saarbrücken traf, der mit mir die Nacht im Hotel verbringen wollte.. Am Abend wurden dann einige Irish-Pubs besucht. Auf der Suche nach einem Restaurant stießen wir leider nur auf Thailänder und Inder, woran mir aus gegebenen Anlass nicht so recht viel lag. Nach ein paar Bier war aber die notwendige Bettschwere erreicht, zwei Wecker gestellt und der Telefonservice des Hotels infomiert. Um sechs Uhr morgens ging es also raus aus den Federn, Frühstück auf den nervösen Magen, ab zum Flughafen mit viel zuviel Zeit, einchecken, stundenlang Kaffee trinken, dann endlich boarden – tschüss an Carsten und vielen vielen Dank für die Unterstützung!

Auf dem Flug in den Bahrain suchte ich meinen Platz, wobei zeitgleich eine Mitpassagierin nicht aus den Augen zu verlieren war. Rein zufällig saßen wir in der gleichen Reihe, allerdings mit einem Gang zwischen uns und nun auch vielen Dank an Gulf Air und die freundliche Stewardess, die uns einen gemeinsamen Platz weiter vorne im Flieger anbot. Nach einigen Stunden Unterhaltung schliefen wir dann ein und ich wurde dann leider etwas unsanft geweckt, nämlich mit einem Saftwagen gegen mein Knie.

Im Bahrain liefen wie zu erwarten einige viele Scheichs herum, die mich wohl eher wegen meiner blonden Begleitung bewunderten. Von dem Land gab es natürlich nichts zu sehen, auch wenn es zuvor schon beeindruckend war, die Lichterfluten der Städte unter uns, die sich dort ansiedeln, zu betrachten. Einige Landschaften, die wir überfogen haben, sind mir schlicht unerklärlich, dat gibts in Hamburch so nich.

Weitere drei Stunden später sitz ich dann endlich mit hundert Tamilen im nächsten Flieger, diesmal am Fenster und hab die Augen geschlossen, auch weil ich den Unterhaltungen ein wenig aus dem Weg gehen will. Als einziger wenn auch Dunkelweißer besteht diese Gefahr leider immer. Wieder wurde ich aber aus meinem Halbschlaf von einer Stewardess gerissen und wieder nicht die ersehnte Nachricht. Ob ich denn nicht eine eigene Reihe haben wolle. Tausend weiße aufgerisse Augen gucken mich aus tiefdunklen Gesichtern an, ich schäm mich selbst ein wenig für dieses Angebot, aber der Gedanke an eine ganze Sitzreihe für mich lässt mich über die beiden Tamilen herübersteigen, wenn auch nicht so ganz gelenk, ab in die leere Reihe. In der ebenfalls nur einmännig besetzten Reihe neben mir grinse ich dann den dortigen Tamilen aus Verbundenheit an. Dieser versteht das leider falsch, kommt in meine Reihe, ich hab ihn dann wohl recht irritiert angesehen, er sagt wir könnten ja Freunde sein, meine Antwort lautet in etwa, dass ich vorher etwas schlafen möchte und so kommt es, dass er leicht traurig davonzieht und die schon bereit stehende, zu allem entschlossene Stewardess meine Reihe nicht mehr zu verteidigen braucht. Irgendwann konnt ich leider auch nicht mehr vorgaukeln, als würde ich schlafen, vor allem weil ja das Essen kam, also führ ich die überfällige Unterhaltung mit meinem Reihennachbarn, der aber schon nach drei Fragen den Rückzug antritt. Als wir unsere Einreisezettelchen erhalten, in denen Passnummer und und und einzutragen sind, fragt mich einer aus der Hinterreihe, ob ich das für ihn ausfüllen könnte und so find ich mich mit seinem Ausweis und seinem Zettelchen in der Hand wieder und muss einen ellenlangen Namen abschreiben, was mich circa 10 Minuten kostet. Nur der Name wohlgemerkt. Vor der Landung schnallt sich jeder ordentliche Passagier an und rückt seinen Sitz gerade. Fliegt man mit Tamilen, muss die Stewardess alle Nase lang die Leute dazu ermahnen, darüber diskutieren und dann noch einen Streit schlichten, der dadurch entsteht, dass ein Hintermann denkt, dass der vor ihm sitzende seinen Sitz nicht in Posititon gebracht hätte und daher aus voller Überzeugung diesen Faux-Pas aus eigener Kraft zu beheben. Leider klappt das nicht so recht, der vorne ist dafür reichlich genervt und pöbelt auf Tamil, die Stewardessen sprechen aber nur Persisch und Englisch, dafür aber ziemlich bestimmt, gepöbelt wird aber weiter, nun wird beiden jeweils ein separater Platz angeboten, was beide selbstverständlich ablehnen, das Pöbeln klingt ab, der Steward kommt dazu und nun stehen doch tatsächlich während der Landevorbereitung zwei Stewardessen und der Steward nahe der beiden Sitzgeraderücker. Nebenbei klingelt im Flugzeug immer mal wieder ein Handy...

Kaum sind alle drei Räder – hoffentlich sind es ein paar mehr – des Flugzeuges auf dem Boden, springen beinah alle Passagiere auf und reißen ihre Koffer aus den Schränken. 20 Minuten später verlassen wir das Flugzeug, es ist etwas stickig warm, bei der Passkontrolle muss ich dem Beamten betend mit den zusammengefalteten Händen vor der Brust versprechen, dass ich mich auch wirklich bei der Ausländerbehörde blicken lassen werde. Nebenbei hab ich noch einen Zettel unterschrieben, dass ich keine Fleischprodukte oder verderblichen Käse bei mir hab und bei dem Gedanken an meine Freunde hier musste ich das dann wohl auch unterschreiben. Ich verlasse also mit leichtem Herzpochen und einer Flasche Johnny Walker die Flughalle, wie gehabt stehen ein paar hundert Tamilen und glotzen den Weißen mit Koffern, Pulli und Jacke über der Schulter an. Einige wollen mir TuckTuck, Hotel und Ähnliches anbieten und in mir steigt das Gefühl auf, dass ich an diesem Flughafen bestimmt schon häufiger als zehnmal war. Immer wieder mit Schmerz und Freude verbundene Erinnerungen, aber schon ab dem dritten Mal ein Gefühl als sei das hier ein Zuhause. Ein TuckTuck-Fahrer ist so freundlich und bietet mir sein Handy an, ich rufe Ansgar an, Götz nimmt ab und sagt, sie seien in einer Viertelstunde am Flughafen. Es ist knapp fünf Uhr am Morgen.

Fast wär ich bis zu dem Bericht des ersten Tages vorgedrungen. Morgen vielleicht mehr. Vielleicht dann auch Photos.

Kommentare:

pmirecki hat gesagt…

Hey Kleener!
Schoen dass du gut angekommen bist, schick ma tel nummer rum sobald du eine hast, und blog ohne photos is dooooooooooof.
Auf bald!

MiamiJan hat gesagt…

mann alter ist das geil, dass du wieder dort bist. ich will auch !!!!!

Hudson´s Better Half hat gesagt…

bei diesem Satz:"... einen Zettel unterschrieben, dass ich keine Fleischprodukte oder verderblichen Käse bei mir hab..." musste ich unweigerlich an meine eigene Einreise denken und wie ich im Flugzeug sitzend und den Zettel ausfüllend bei den Fragen nach Fleisch/Käse Hudsons einschärfende Stimme vom Vortag: "Bei allen Fragen ohne Rücksicht auf Verluste NEIN ankreuzen!" mir ins Gedächtnis rief und dem auch Folge leistete, wohl wissend, dass sich in meinem Koffer 4 Weinflaschen, 5 Salamis und etwa 5 Kilo allerlei Schocki-Köstlichkeiten befanden. Ob ich dabei irgendetwas Gesetzeswidriges begangen habe? Das war mir egal. Ich war zum ersten Mal alleine ans Ende der Welt gereist und wollte nichts anderes als endlich in den Armen meines Schätzchens zu versinken!